Entwicklungen im Kameramarkt

Jürgen Pagel

Entwicklung im Kameramarkt

Stehen digitale Kameras vor dem Aus
Prognosen sind und bleiben ein schwieriges Thema. Die Kameraindustrie ist wie kaum eine Zweite von vielen Faktoren abhängig. Fujifilm hat nach wie vor große Schwierigkeiten, die X100VI – obwohl schon seit Februar 2024 auf dem Markt – zu liefern. In kaum irgendeinem Store sind die Modelle direkt verfügbar. Gleiches gilt für die X-S20. Auch andere Kamerahersteller leider unter der noch immer andauernden Chip-Krise und unter weltweit erschwerten Lieferbedingungen. Das wird auch in absehbarer Zeit kaum besser werden.
An Spekulationen über die Absicht, Modelle bewusst zurückzuhalten, um die Begehrlichkeit zu steigern, mag ich mich nicht beteiligen. Schließlich ist es für jeden Hersteller von großem Vorteil, seine „neuen“ Modelle schnellstmöglich auszuliefern, denn nur damit lässt sich Geld verdienen.

Und sonst?
Der Markt an sich scheint mir weitestgehend ausgereizt zu sein. Schlechte Kameras gibt es nicht mehr. Alle seit 2020 erschienenen Modelle erfüllen höchste Ansprüche und werden den Wünschen der Endverbraucher gerecht. Mittlerweile ist für jeden - unabhängig der Tendenz zu einigen Herstellern – etwas dabei. Von 20 bis 100 MP, vom Mittelformat über das Vollformat, von APS-C bis MFT bleiben keine Wünsche offen. Die schon lange totgesagten APS-C-Kameras sind zwischenzeitlich technisch auf einem hervorragenden Niveau, so dass es weder für Hobbyisten noch für semiprofessionelle Anwendungen eines Kleinbildformates bedarf. Lediglich in Highend-Anwendungen scheint das Vollformat einige Vorteile zu haben, aber selbst viele professionelle Fotografen setzen mittlerweile auf das APS-C-Format, weil sowohl die Kameras wie auch die Objektive leichter und kleiner sind, in ihrer Leistungsfähigkeit den Vollformatpedanten kaum nachstehen.
Nahezu alle Experten sind sich darüber einig, dass für einen Druck in DIN A4 ca. 5-8 Megapixel vollkommen ausreichend sind. Dennoch wird der Megapixelwahn sicher noch eine Weile anhalten, auch wenn der eine oder andere Hersteller (beispielsweise Canon und Sony) schon wieder einen Schritt zurückmachen und ihre Megapixel-Boliden wieder Richtung +/- 24 MP reduzieren. 
Letztendlich sind 40 MP und mehr hinsichtlich der erforderlichen Speicherleistung und der Geschwindigkeit immer mehr an Bedeutung gewinnender Bildbearbeitungen deutlich anspruchsvoller als die noch vor wenigen Jahren üblichen 20 MP.
Schnellere Rechner, größere Festplatten bzw. SSD-Speicher und höherer Speicherbedarf beim Auslagern der umfangreichen Dateien haben ihren Preis. Dennoch bieten solche Auflösungen einige Vorteile hinsichtlich eines erforderlichen Bildschnitts und der Darstellungsqualität – die dazu passenden Objektive vorausgesetzt, denn solch hohe Auflösungen macht nicht jedes Objektiv mit.

Konkurrenz
Unabhängig der Marketingversprechen der Hersteller, sind Smartphones für den semiprofessionellen und professionellen Bereich keine ernstzunehmende Konkurrenz, auch wenn die Verkaufszahlen 2024 nie erahnte Höhen erreicht haben. Das zeigt nur, wie wenig professionelle Anwender im Markt selbst vertreten sind. Für Hobbyisten geht meine persönliche Empfehlung tatsächlich mittlerweile immer mehr in Richtung Smartphone. Immer dabei, von einer durchaus guten Bildqualität (zumindest bei Tageslicht), eine sofortige Verfügbarkeit des Bildmaterials bis hin zu integrierten Bildbearbeitungen, ist für die meisten Anwender ein Smartphone vollkommen ausreichend. Viele Hobbyisten haben keine Lust darauf, jedes Bild individuell zu bearbeiten/ zu entwickeln, sondern möchten ihre Fotografien bzw. Filmchen gleich via Social Media einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.
und ich bin mir nicht sicher, ob es Kameraherstellern bzw. dem Kameramarkt im Gesamten guttun würde, wenn Kameras mit ähnlichen Eigenschaften aufwarten würden. Schließlich käme das einem Sprung ins Haifisch-Becken gleich. 

Fazit
Ehrlich gesagt, keine Ahnung wohin die Reise geht. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass niemand es wirklich weiß. Ob Fujifilm mit einer neuen GFX-Filmkamera für einen Preis, der nur geringfügig unter 30.000 Euro liegen wird, langfristig Erfolg hat, wissen sie wohl selbst nicht genau. Die Entwicklungszeit dauert deswegen wahrscheinlich drei Jahre, weil sie testen wollen, wie so etwas im Markt der Spezialisten ankommt. Neue Modelle, egal von welchem Hersteller, bieten nichts revolutionäre Neues mehr, weil die Kameras technisch weitestgehend ausgereizt sind. Zumindest wird in der nächsten Zeit nichts kommen, was den Profi vom Hocker reißt und die Hobbyisten geben sowieso viel zu viel Geld aus für Kameras, die sie eigentlich gar nicht brauchen und von deren Funktionen sie selbst nach Jahren der Nutzung gar nicht wissen, dass die Kameras bereits über etwas verfügen, dass sie gerne hätten.
Die Besinnung zum Ursprünglichen ist allerdings auch kein Weg, zumindest kein Goldener. Die Rollei 35 AF wird als Analogkamera trotz Autofokus kein Verkaufsschlager werden. Auch Sonys A1II bleibt hinter den Erwartungen zurück – trotz der stolzen 7.500 Euro.
Überhaupt die Preise. Die sind zwischenzeitlich brutal geworden. Es ist dann tatsächlich die Ausnahme, wenn eine neue Kamera unter 1.000 Euro kostet, wie die Nikon Z50II und dafür einiges zu bieten hat, was in anderen Modellen nur der Mittel- bzw. Oberklasse vorbehalten bleibt. Ansonsten muss der semiprofessionelle Fotograf mindestens 2.500 Euro und der Profi ab 3.000 Euro aufwärts auf den Ladentisch legen. Das ist in Anbetracht der gestiegenen Lebenshaltungskosten keine Kleinigkeit. Da hilft auch das oft gehörte Argument „du kannst das ja von der Steuer absetzen“ wenig, weil bezahlen muss man es zunächst auch und ob sich das unter dem Strich rechnet, weiß der selbstständige Auftragsfotograf auch nicht immer im Voraus. 

Letztendlich ist es wie es ist und es bleibt spannend abzuwarten, wohin uns die Entwicklung führen wird.

©2024 Jürgen Pagel

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