Fotografiere strategisch

Jürgen Pagel

Fotografiere strategisch

Strategisch zu Fotografieren ist keineswegs eine Vorgehensweise von Kriegsberichterstattern, sondern ein Muss, wenn Fotografieren jedweder Art schnell und zuverlässig gehen soll.
Schnell gehen soll es bei der Food-Photography, denn wenn Essen lange steht, wird es unappetitlich und unansehnlich. Schnell gehen muss es auch manchmal in der Street-Photography, denn der eine entscheidende Moment kommt so schnell nicht wieder.

Auch in der Portraitfotografie hast Du als Fotograf nicht endlos Zeit. Stell Dir vor, es regnet oder es kalt da draußen. Dann willst Du doch nicht Dein Model stundenlang im Regen oder in der Kälte stehen lassen.

In der Wildlife-Fotografie, bei der Hunde- und Katzenfotografie muss es ebenfalls schnell gehen, denn die wenigsten Tiere halten für Aufnahmen still. Sie bewegen sich, sie springen hin und her oder rennen auf Dich zu – da bleibt wenig Zeit, sich entsprechend zu positionieren und lange an der Kamera „herumzufummeln“.

Einzig in der Produkt- und in der Landschaftsfotografie hast Du in der Regel alle Zeit der Welt, denn weder die Landschaft noch das Produkt laufen Dir weg. Da hast Du auch genügend Zeit und Muße, Deine Objektive vor Ort mehrfach zu wechseln und verschiedene Einstellungen auszuprobieren - wenn dies erforderlich sein sollte.

Was bedeutet nun strategisch zu fotografieren?

Bereite Dich vor. Überlege Dir vorher, welche Ausrüstung Du benötigst. Blitzlicht hat Vor- und Nachteile. Selten passt die Blitzstärke beim ersten Mal. Du musst also einige Probe-Schüsse machen, bis das perfekt passt. Das kostet Zeit, lässt sich aber nicht immer vermeiden.
Besser ist LED-Dauerlicht, denn „what you see is what you get (WYSIWYG)“. Zugegeben, leistungsstarke LED-Strahler sind nicht gerade günstig, aber sie erleichtern Dir v.a. bei Mischlicht (Available Light + zusätzliche Beleuchtung via Blitz) die Arbeit enorm. Du kannst mittels der RGB-Werte genau das Licht einstellen, dass Du brauchst und es bleibt auch während der gesamten Szenerie so, wie Du es eingestellt hast.
Du fotografierst Tiere oder Portraits? Dann benötigst Du lichtstarke Objektive für eine ansprechende Freistellung der Motive – Du kannst also Dein f/6,5-Objektiv getrost zu Hause lassen. Es sein denn, Du hast genug Raum und Platz, um mit einem Zoom bei f/6.5 auf Grund der großen Distanz noch ausreichend Freistellung zu erzielen.

Mache – wenn immer möglich – ein Pre-Shooting, d.h. Testaufnahmen vor Ort an oder in der Location, idealerweise mit (später beteiligten) Personen. So erfasst Du die Belichtungssituation, erweiterst den Blick für Motive und fühlst Dich zum Zeitpunkt des eigentlichen Shootings deutlich sicherer. In-Locations verfügen nicht immer über die notwendigen Stromanschlüsse. Ich habe mir für solche Situationen einen EcoFlow Delta 2 zugelegt, der mich von Stromquellen unabhängig macht und einige Stunden bis zu zwei LED-Strahler problemlos mit 220 Volt versorgt.

Für die Landschaftsfotografie ist Google ein gutes Hilfsmittel. Viele Locations lassen sich vorab mittels 3D-Ansichten erkunden. Das erspart Dir ggf. lange Fußwege, die Du vergeblich zurücklegen musst, um einen geeigneten Standort zu finden.
Ich habe Dir für diesen Zweck eine Shooting-List erstellt, auf die Du jederzeit kostenfrei zugreifen kannst. Diese Liste findest Du hier: https://maps.app.goo.gl/tLEDMF52jo1jHg5b9

Rüste Dich für unterschiedliche Wetterlagen. Ist Deine Ausrüstung „Water Resistent“? Dann wird Dir auch ein bisschen Nieselregen nichts anhaben können. Schüttet es allerdings wie aus Eimern, würde ich mich auf das Prädikat „Water Resistent“ nicht verlassen wollen. Die namhaften Hersteller äußern sich zu diesem Thema mit äußerster Zurückhaltung – wahrscheinlich nicht ohne Grund. Brennt der Planet vom Himmel, dann lass Deine Ausrüstung nicht in der prallen Sonne liegen. Gehäuse- und Objektivtemperaturen von 60-70° Grad Celsius sind keine Seltenheit und werden weder vom Kamerabody noch vom Objektiv klaglos hingenommen. Gleiches gilt auch für Eiszeiten.

Lerne Deine Objektive kennen. Ein ambitionierter Golfer geht auf die Range und auf die Chipping-Area, um die Reichweite seiner Schläge mit unterschiedlichen Schlägertypen zu testen und notiert sich das auf einem Zettel. So kann er in jeder Spielsituation auf eine für die erforderliche Reichweite Schlägerkombination zugreifen. Dabei bleibt nichts dem Zufall überlassen – strategisch sehr wertvoll.
Genau das gleiche solltest Du auch mit Deinen Objektiven machen. Jedes Objektiv hat Stärken und Schwächen. Lerne diese kennen und notiere das in einem kleinen Büchlein (z.B. Moleskine DIN A6). Hat ein Objektiv seine Stärke ausschließlich in der Mitte, bildet jedoch zum Rand hin ausgesprochen unscharf, dann ist das bei der Verwendung einer Vignette in der Bildbearbeitung zwar weniger bedeutsam. Wenn Du Dein Motiv jedoch aus der Mitte zum Rand hin positionierst, wird es unscharf wiedergegeben werden. Da nutzt Dir der beste Autofokus nichts. Das Motiv ist und bleibt unscharf. Abhilfe schafft nur, wenn Du mittig positionierst und anschließend mittels eines Crop den endgültigen Bildausschnitt festlegst. Durch den Crop verlierst Du jedoch u.U. viele Megapixel und dadurch Bildqualität.

Im Grunde musst Du diese Tests bei verschiedenen Kamerasystemen mit jedem System und jeder Objektivreihe machen. Das ist sehr mühselig. Mit ein Grund, warum ich mich mittlerweile für EIN System entschieden habe, nämlich Fujifilm X-Mount und mein komplettes Nikon Vollformatsystem verkauft habe.

Lerne Deine Kamera kennen. Das klingt für Profis selbstverständlich, für Hobbyisten ist es das keineswegs. Viele Hobbyfotografen mit teuren und allen Finessen ausgestatteten Kameras nutzen vielleicht maximal 50% der Leistung ihrer Kamera. Nicht ausschließlich deswegen, weil sie diese Funktionen gar nicht brauchen, sondern weil sie keine Manuals lesen und nicht wissen, was ihre Kamera alles kann. Sie propagieren dann den M-Modus, weil sie nicht wissen, was ihre Automatik- und halbautomatischen Modi zu leisten in der Lage sind. Das ist nicht nur schade, sondern v.a. die pure Geldverschwendung. Auch ich dachte zu Beginn, alles haben zu müssen. Mittlerweile reduziert sich sowohl das Equipment wie auch die Kameratechnik tatsächlich immer mehr auf das Wesentliche.
Reduziere Deine Ausrüstung. Überlege Dir genau, was Du wirklich brauchst und trenne Dich von unnötigem Ballast. Glaube mir, ich weiß, was ein G.A.S. bedeutet, denn ich war ihm selbst unterlegen. Weitergebracht hat mich das in der Fotografie definitiv nicht. Im Gegenteil. Oftmals war es hinderlich, weil es eine Entscheidungsfindung negativ beeinflusst hat oder weil man sich wieder mit neuer Technik befassen musste, ohne die alte richtig verstanden zu haben.

Du musst in der Lage sein, Deine Kamera nachts in vollkommener Dunkelheit zu bedienen. Jeder Knopf will ertastet werden und jede Funktion muss sitzen. Nur dann kannst Du situativ schnell reagieren und nervst Dein Model bei einem Portraitshooting nicht mit ständiger Fummelei an Deiner Kamera oder Deinem Objektiv.

Fazit
Du siehst also, strategisch zu fotografieren ist nicht so einfach, wie es sich anhört. Es bedarf monate- wenn nicht jahrelanger Vorbereitung. Aber wenn es dann sitzt, dann geht alles viel leichter von der Hand und es bleibt mehr Zeit für das Motiv, für die Komposition, für das Sehen der wirklich wichtigen Dinge der Fotografie.

©2025 Jürgen Pagel

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